Kommunale Energieversorgung

Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Energieversorgung

Das Projekt FURGY CLEAN Innovation arbeitet an der Entwicklung kommunaler Energiekonzepte für die nachhaltige Energieversorgung in einer dänischen und einer deutschen Gemeinde.

Brundtland 2.0

In den Jahren 1992-1995 fand das erste sogenannte Brundtland-Projekt in dem Dorf Toftlund in Südjütland statt. Toftlund erreichte massive Einsparungen in den CO2-Emissionen, indem es sich dafür eingesetzt hat, den Energieverbrauch des Dorfes in Bezug auf die Beleuchtung, Wärmeversorgung und die Energiegewohnheiten zu optimieren. Der Hintergrund für diese Initiative war der weltbekannte Brundtland-Bericht (1987), der als Inbegriff für Nachhaltigkeit steht. Der Bericht betonte, dass die Menschheit den kommenden Generationen die Welt in einem umweltfreundlichen, wirtschaftlichen und sozialnachhaltigen Zustand hinterlassen sollte.

Das Brundtland-Projekt in Toftlund realisierte eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 42%, das Jahr darauf wurde diese Reduktion noch größer, verglichen mit dem Ausgangsjahr. Dies war auf die Schaffung eines lokalen Marktes für energieeffiziente Technologien und Energieeinsparungen zurückzuführen, die dann in den Haushalten eingeführt wurden.

Im FURGY CLEAN Innovation-Projekt versuchen wir den Erfolg von Toftlund aufgrund einer Reihe von Kriterien nachzuahmen. Diese sind unter anderem:

  • die Stadt/das Dorf liegt außerhalb einer kollektiven Wärmeversorgung
  • der Großteil der Wärmeversorgung der Stadt basiert auf Öl oder Strom

Fallstudie: Maugstrup

In der Kommune Hadersleben in Südjütland wurde die Stadt Maugstrup als Ziel für den dänischen Teil des Projektes identifiziert. Da die oben genannten Kriterien auf viele Dörfer in Dänemark zutreffen, wurde das Zusatzkriterium einer dichten Besiedelung des Dorfes gewählt.

Maugstrup ist ein Dorf mit 200 Einwohnern in der Gemeinde Hadersleben sieben Kilometer nördlich von Vojens und elf Kilometer westlich von der Stadt Hadersleben.

Die Wärmeversorgung in Maugstrup basiert auf ausschließlich auf Öl und es besteht kein Anschluss an die kollektive Wärmeversorgung durch die nächsten Naturgasgebiete in Jegerup Ost und Sommersted im Norden oder an das Fernwärmenetz in Vojens und Hadersleben. Außerdem ist Maugstrup durch eine hohe Haushaltsdichte geprägt. Zudem herrscht in dem Dorf ein aktives Vereinsleben mit Fokus auf die Entwicklungsansprüche der Region.

Vorgehensweise

Von Beginn der Analyse bis zur Auswertung des Konzeptes wurden 6-12 Monate angesetzt:

  • Sekundärforschung hinsichtlich des Dorfes, Dialog mit dem Anwohnerverein hinsichtlich vergangener Pläne und Initiativen für eine kollektive Wärmeversorgung in der Region
  • Bewertung der Lösungsmöglichkeiten für eine nachhaltige Wärmeversorgung im Verhältnis zur bisherigen individuellen Versorgung
  • Einladung aller Haushalte zu Versammlungen zum Thema, vorzugsweise in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren
  • Durchführung von Versammlungen um eventuelle Erfahrungen anderer Dorfverbände, sowie die entwickelten Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren
  • Einholen von Daten öffentlicher Register, welche durch Stichproben einzelner Bewohner und Haushalte validiert werden
  • Ausarbeitung eines lokalen Wärmeplans mit unterschiedlichen Szenarien (Lösung, Technologie, Wirtschaft)
  • Präsentation des Planes bei einer Versammlung, evt. eine Exkursion zu einer bestehenden kollektiven Wärmeversorgung
  • Übergabe des Planes an den Anwohnerverein

Ergebniserwartungen

  • Entwicklungsplan für eine kollektive, nachhaltige Wärmeversorgung in Maugstrup
  • Aktivierung der Anwohner
  • Eine replizierbare Methode, welche in weiteren Dorfverbänden in der Kommune angewandt werden kann

Erste Ergebnisse

Mitte August wurde die erste Bürgerversammlung in Maugstrups Gasthof abgehalten. Hierbei nahmen 22 Bürger mit großem Interesse und Engagement teil. FURGY präsentierte Maugstrups momentanen Energieverbrauch und CO2-Abdruck sowie die Möglichkeit einer Umstellung der aktuellen Wärmeversorgung auf Wärmepumpen, Heizpellets und Nahwärme. Die Diskussion konzentrierte sich auf die wirtschaftlichen Aspekte, sowie auf die Energieaspekte der verschiedenen Wärmelösungen.

Das Dorf Maugstrup in der Gemeinde Haderslev verbraucht jährlich mehr als 1,3 mio kWh Wärme für die Beheizung von Räumen und den Gebrauch von Wasser, dies entspricht mehr als 1,6 Millionen DKK Heizkosten in insgesamt 93 Haushalten. Sie verteilen sich auf Öl-öfen (47), Elektroheizungen (17), Luft-Wasser-Wärmepumpen (20) und Erdwärmepumpen (9). Unsere Berechnungen ergaben, dass folgende Einsparungen realisiert werden können: Energieeinsparungen von bis zu ca. 715.000 kWh (54%), finanzielle Einsparungen in der Betriebsphase von rd. 400.000 DKK (24%) und eine gleichzeitige CO2-Reduzierung von ca. 215.000 kg CO2 (68%) pro Jahr.

Die grünen Heizlösungen haben jedoch lange Amortisationszeiten aufgrund hoher Anschaffungspreise und relativ geringen jährlichen Betriebseinsparungen. Dies ist eine Herausforderung in ländlichen Gebieten, da die Immobilienpreise nicht notwendigerweise die Investitionen tragen und die Kreditfazilitäten der Banken für die Bürger schlechter sind als in städtischen Gebieten. Die neuen grünen Wärmelösungen stehen auch im Konflikt mit der ausgeprägten Do-it-yourself-Kultur in Dörfern. Diese schränken die Selbstständigkeit der Verbraucher und zugleich ihre Freiheit und Kontrolle ein.

Wir haben eine Reihe von Barrieren für die Verbreitung umweltfreundlicher Wärmelösungen in Maugstrup aber auch anderen mit fossilen Brennstoffen versorgte Dörfer feststellen können:

Wirtschaftliche Barrieren:

  • Relativ hohe Anschaffungspreise, zum Beispiel für Wärmepumpen und Öl-Öfen sowie für Elektroheizungen
  • Niedrigere Betriebskosten, jedoch sind die Amortisationszeiten im Vergleich zu Ölöfen bis zu 11 Jahren lang
  • Kleine jährliche Einsparungen bei den Anschaffungspreisen und Servicekosten der Wärmealternativen

Technische Barrieren:

  • Unüberwindbare Renovierung/Sanierung von Heizungsanlagen
  • Es bedarf einiger technischer Kenntnisse, sich zwischen den Wärmealternativen und ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen entscheiden zu können
  • Komplexe Steuer- und Subventionsstrukturen für die Wärmealternativen
Soziale und kulturelle Barrieren:
  • Weniger Kenntnisse über neue nachhaltige Wärmelösungen. Beispielsweise ist die Wärmepumpe eine „Black Box“.
  • Begrenzte lokale Erfahrungen mit neuen nachhaltigen Wärmelösungen
  • Service und Wartung sind komplex, sodass es die Verbraucher in ihrer Freiheit einschränkt, Dinge selbst in die Hand zu nehmen
Ortsgebundene Barrieren:
  • Vorwiegend ältere und teilweise renovierungsbedürftige Häuser in Dörfern, die mit fossilen Brennstoffen versorgt werden
  • Der Wert der Häuser folgt aufgrund niedriger Hauspreise nicht dem Investitionsvolumens für umweltfreundliche Wärmelösungen
  • Vergleichsweise schlechtere Kreditfazilitäten von Banken

Ansprechpartner: Christian Boysen, Mail: chb@cleancluster.dk, Telefon: +45 6171 8663

Fallstudie: Kalundborg

Kollektive Wärmeversorgung der mit fossilen Brennstoffen versorgten Dörfer in Kalundborg

In FURGY CLEAN Innovation bewertet Kalundborg Forsyning das Potenzial für eine nachhaltige Umwandlung der Wärmeversorgung in den mit Öl versorgten Dörfern, die außerhalb des ursprünglichen Fernwärmenetzes in Kalundborg liegen.

Im Zusammenhang mit den politischen Zielen des Ausstiegs fossiler Brennstoffe bis 2030, arbeitet FURGY CLEAN Innovation die Möglichkeit einer nachhaltigen kollektiven Wärmeversorgung aus. Dies kann möglicherweise durch die Verwendung von Fernwärme bei der Umwandlung in eine Wärmeversorgung mit erneuerbarer und nachhaltiger Energie in Dörfern in der Nähe von Kalundborg erreicht werden, wo die derzeitigen Wärmequellen hauptsächlich auf Öl basieren.

Insgesamt wird das Projekt folgende Kriterien untersuchen:

  • Technische Möglichkeiten und Barrieren durch den Bau einer Wärmeversorgung basierend auf kalter Nahwärme (Vergleich verschiedener Szenarien)
  • Regularien für die Schaffung eines neuen Kollektivsystems in einem Dorf
  • Wirtschaftliche Voraussetzungen für Bürger und Versorgunsgesellschaften
  • Möglichkeiten, Bürger einzubeziehen, um die Erfolgschancen des Projekts zu erhöhen

Die Erfahrungen aus früheren Projekten mit kalter Nahwärme zeigen, dass der lokale Besitz solcher Projekte für eine erfolgreiche Umsetzung wichtig ist. Die beste Lösung für das Dorf ist daher der Dialog mit den Bürgern.

Anwendung von Überschusswärme in der Grenzregion

Ein starker Fokus liegt darauf, wie wir noch mehr der Überschusswärme der Industrien in das Versorgungsnetz bekommen können.  In Südjütland haben wir eine einleitende Untersuchung von Potenzialen für eine bessere Ausnutzung der Überschusswärme von Nahrungsmittel- und Logistikunternehmen in Padborg und Kruså ins Leben gerufen. Die Untersuchung wird von der DTU in Zusammenarbeit mit CLEAN und dem UdviklingsRåd Sønderjylland und weiteren involvierten Unternehmen, ausgewertet.

Einleitend wird ein Überblick darüber ausgearbeitet, wo großes Potenzial in der Gegend ist und inwiefern es für Unternehmen und Fernwärme rentabel wäre Überschusswärme zu verwenden.

Die Ergebnisse der einleitenden Untersuchung werden vorraussichtlich auf einem Workshop präsentiert. Weitere Informationen bezüglich des Workshops folgen im nächsten Newsletter.

Für weitere Informationen zu der Analyse, sind Sie herzlichst eingeladen Jesper Fuglsang vom UdviklingsRåd Sønderjylland unter +45 2157 0150 oder JF@soenderjylland.dk zu kontaktieren.

Abschlussbericht Brundtland

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